Centering Life Blog

Give Peace a Chance – der Anfang liegt bei mir!

Wir leben in einer herausfordernden Welt:

  • Grausame Kriege und Machtkämpfe sind seit dem kalten Krieg in der Anzahl weltweit gestiegen. Dabei kommen immer mehr zivile Opfer ums Leben.
  • Die politische Polarisierung nimmt in vielen Gesellschaften zu, insbesondere zu den Themen Zuwanderung (auch in der Schweiz), aktuelle Kriege (auch in Europa) und Pandemien wie COVID-19 (weltweit).
  • Egozentrische Profit- und Machtgier führt zu einer nie gesehenen menschengemachten Zerstörung der Natur und ihrer Lebewesen (weltweit).

 

Es ist Zeit für Veränderung und zum Umdenken!

Für die, die denken, das geht mich nichts an, ich lebe ja (noch) in einer friedlichen Welt, möchte ich in diesem Blog beispielhaft zeigen, dass mein eigener Beitrag sehr wohl zu einer friedlicheren Welt beitragen kann, angefangen in meinem nächsten Beziehungsumfeld, meiner eigenen Familie.

Vorneweg: Ich schätze und ehre meinen (mittlerweile verstorbenen) Vater sehr! Das war nicht immer so… Ich verdanke ihm sehr viel für mein Leben und hätte ohne ihn nie so eine angenehme und frei erlebte Kindheit gehabt und das Wunder «Mutter Erde mit ihrer Fülle und Schönheit alles Lebendigen» kennengelernt.

Aufgewachsen bin ich in einer «heilen Welt» ohne Probleme und grosse Sorgen. Zumindest wurden diese nie oder sehr selten thematisiert – heute würde ich sagen, sie wurden tabuisiert (wie ich das aus vielen Familien dieser Zeit kenne) im Sinne von «Uns geht es gut, wir haben keine Probleme, wir halten uns an das Gute und Schöne».

Mit 20 Jahren brachte mich die unerwartete Scheidung meiner Eltern aus dem vermeintlichen Gleichgewicht! Unstimmigkeiten oder Streit meiner Eltern hatte ich zuvor nie bemerkt, allerdings auch wenig sichtbare Liebe oder Zärtlichkeiten. Alles schien unauffällig und normal. Aufgebrochen ist ihre Beziehung, nachdem mein Vater ein geschätzt ein Jahr andauerndes, geheim gehaltenes Verhältnis zu einer anderen Frau hatte (auch meine Mutter wusste nichts davon). Der Schock war gross: Es kam zu einer Kampfscheidung mit Anwalt und Anwältin. Meine Mutter weinte oft und ich stand an ihrer Seite und bezog innerlich Stellung gegen meinen Vater.

In meinem von da an «angekratzten» Verhältnis zu meinem Vater kam erschwerend dazu, dass er einige Jahre später eine schriftlich eingegangene Verpflichtung für mich resp. meine Videoproduktionsfirma nicht einlöste, als sie unerwartet, aufgrund höherer Macht, nötig wurde. Das hatte für mich die Konsequenz, dass ich mit 34 Jahren (jetzt mit Familie) erheblichen finanziellen Schulden gegenüberstand. Ich war wütend, verletzt und fühlte mich nicht gesehen. Kurzfristig musste ich mich und meine Familie mit Lehrerstellvertretungen und nächtlichen Taxifahrerjobs über Wasser halten.

In den darauffolgenden Jahren stand meine Beziehung zum Vater auf dem Tiefpunkt, er selber hielt sie minimal – auch meiner damaligen Frau und Mutter seiner Enkelkinder gegenüber. Insgeheim hatte ich Rachegefühle und dachte: «Warte nur ab, irgendwann erhältst auch du eine Quittung für dein ungerechtes Verhalten».

Die Zeit verging. Es gab wenig gegenseitige Kontakte mit meinem Vater, für mich mehr «Pflichttreffen». Wir sahen uns zwar hin und wieder, ich spürte aber meine innere Distanz und Unzufriedenheit in der Beziehung, wie ich sie hatte.

Doch es kam der Tag, da war mein Vater gesundheitlich und altersbedingt nicht mehr sehr selbständig. Immer wieder, wenn er alleine war, brauchte er Unterstützung, besonders mit Kochen, Essen und Kaffee trinken über die Mittagszeit.
Ich stand plötzlich vor der Grundsatzfrage: Was machst du jetzt? Bist du auch Teil der Hilfe für deinen Vater? Was wird aus meiner angeschlagenen Beziehung zum Vater bis er einmal stirbt? Soll ich weiterhin auf Distanz darauf warten, dass er sich verändert und meinen Erwartungen entspricht?

Nicht zuletzt durch meine eigene Entwicklung und Ausbildung zum Coach und Lebensberater wurde mir endlich klar, dass ich ihn nie ändern werde (und dass es nie an uns liegt, andere zu ändern) und es zu seinem Recht und freien Willen gehört, so zu denken und zu leben, wie er für sich entschieden hat. Ich realisierte, dass mir zu einer liebenden und persönlichen Beziehung zum Vater meine eigenen Gefühle und Erwartungen im Wege standen, womit es ganz an mir lag, dies zu ändern oder alles beim Alten zu lassen – unglücklich über die Entwicklung unserer Beziehung im Erwachsenenalter.

Ich entschied mich, meinen Vater in seinen und unseren gemeinsamen letzten Jahren zu begleiten und meine Beziehung zu ihm zum Guten verändern zu wollen.

Aber wie, lagen doch teilweise tiefgreifende unterschiedliche Lebensanschauungen nach wie vor zwischen uns? Wie sollte ich ihn annehmen können, so wie er ist und denkt, ihn mit Herz unterstützen – ohne gleichsam meine eigenen Ansichten zu verleugnen respektive mich anzupassen (wie ich das früher immer getan habe), damit im Gespräch ja nichts eskaliert?

Als Coach hatte ich gelernt – mir und Andern gegenüber – Wirkungen von Ereignissen achtsam wahrzunehmen und respektvoll, deeskalierend anzusprechen (Situationen, Gefühle, Emotionen, Bedürfnisse etc.).

Das brachte mich auf die zündende Idee folgender Formulierung – wann immer eine Situation eintrat, wo mein Vater und ich andere Erfahrungen und Gedanken dazu hatten (manchmal diametral verschieden), wählte ich diese Worte:

«Ich habe das anders erlebt, interessiert es dich?»

Das Resultat war verblüffend und berührend: Mal sagte er «Nein, interessiert mich nicht», andere Male «Ja, erzähl!» Wichtig war, seine Antwort anzunehmen und nie mehr zu werten.

So ergaben sich immer wieder wunderbare und bereichernde Gespräche und Momente über Dinge, die wir anders sahen, aber uns dabei respektierten und im Austausch gegenseitig bereichert wurden und uns so näherkamen als je zuvor. Als er dann letztendlich starb, war ich im Ausland – jedoch mit der inneren Gewissheit und Zufriedenheit, alte Feindseligkeiten rechtzeitig begraben und uns zu Lebzeiten gegenseitig gesagt zu haben, was gesagt werden wollte.

 

Zusammenfassend:

Vieles liegt zuallererst bei uns selber. Wenn es uns gelingt, offen, achtsam und radikal ehrlich unsere eigenen Anteile in Situationen zu reflektieren und auszutauschen – ohne Abwertungen oder Anklagen ans Gegenüber – kommen wir einer friedlicheren Welt ein schönes Stück näher – angefangen bei unseren wichtigsten und am nächsten gelegenen Beziehungen zu unseren Mitmenschen.

GIVE PEACE A CHANCE! – in Dankbarkeit zu meinem Vater und unserer persönlichen Beziehung, die am Wandel gereift ist!

Ich freue mich auf Rückmeldungen, Fragen oder Bemerkungen.
Lebe wohl und bewusst!

Jürg Blaser

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